Die Geschichte 

 

Lange bevor dann im Jahr 1921 endgültig Ordensschwestern nach Velburg geholt werden konnten und ein Niederlassungsstandort gegründet wurde,  bemühten sich Stadt und Pfarrgemeinde darum, dem Wunsch nach Schwestern nachkommen zu können.  Die Anfänge gehen bis in das Jahr 1865 zurück, als sich die Lokalschulinspektion Velburg, Bürgermeister und der Rat der Stadt Velburg um die „Einführung der Armen Schulschwestern in Velburg“ bemühten. Die hohe königliche Kreisregierung versagte jedoch die Genehmigung, weil sie die finanzielle Absicherung der Schwestern für 

„nicht ausreichend und hinlänglich genug erachtete. 

 

Ein erster kleiner Schritt um „Schwestern nach Velburg zu holen“ tat sich auf, als im Jahr 1912 die ambulante Krankenpflege eingeführt wurde. Vom Verein Krankenfürsorge des Dritten Ordens in Bayern mit Sitz in München kam eine katholische weltliche Schwester nach Velburg. Diese blieben dann bis zum Jahr 1921 in Velburg und taten in ihrer Pflichterfüllung gerade während der Zeit des ersten Weltkrieges viel Gutes, weil man hier keinen Arzt am Ort hatte. Die Bedürfnisse der damaligen Zeit verlangten danach, sich weiterhin um die Niederlassung von Schwestern am Ort zu bemühen. Stadtpfarrer Anton Schalk sah vermehrt existentielle Aufgabenfelder, die von Ordensschwestern ausgefüllt werden konnten. Neben der ambulanten Krankenpflege war dies vor allem auch der Wunsch und die Notwendigkeit nach einer „Kleinkinderbewahranstalt“ (heute spricht man hier zutreffender von  einem Kindergarten oder Kindertagesstätte), sowie auch der Gelegenheit, jungen Mädchen die Möglichkeit zum Erlernen der weiblichen Handarbeit und 

Hauswirtschaft zu geben. Auch für den Chordienst der Pfarrgemeinde suchte man damals dringend einen Ersatz. Pfarrer Schalk nannte es in einer späteren Schilderung der damaligen Bemühungen „eine Fügung Gottes“, dass er an die Lehrschwestern vom Heiligen Kreuz der Filiale des Kreszentiahauses in Altötting verwiesen wurde, wo man letztendlich Erfolg hatte. Bei der Einführung der Schwestern in Hohenburg konnte er sein Anliegen der mit anwesenden Provinzoberin vortragen und Pfarrer Schalk fand Gehör. Unterstützung in dem Anliegen fand er auch in dem damaligen Velburger Bürgermeister Heinrich Jungwirth. Zum Weihnachtsfest des Jahres 1920 traf in Velburg die frohe Botschaft aus Altötting ein und Velburg wurde NIederlassungsstandort für die „Schwestern vom Heiligen Kreuz“. Am 15. April 1921 trafen nachts um 22 Uhr die ersten vier Schwestern in Velburg ein. Es waren dies Schwester Angela Sterr, die als Oberin und Organistin wirkte; Kindergartenschwester Sigismunda Dietz; Handarbeitsschwester Borgia Fehrenbacher und Stephanie 

Auhuber als Schwester für die ambulante Krankenpflege. Als Wohn- und Wirkensstätte wurde den Schwestern von Seiten der Pfarrgemeinde  das Chorregenthaus unmittelbar gegenüber der Pfarrkirche zur Verfügung gestellt. Genau an diesem Standort befindet sich heute auch das Velburger Schwesternhaus „Haus Betanien“.

 

Die Aufgabenfelder für die Schwestern wurden nach und nach mehr und sie wandelten sich auch. Bis zu sieben Schwestern waren zeitweise an der Niederlassung in Velburg tätig, so beispielsweise auch im Jahr 1981, als das 60jährige Bestehen der „Schwesternstation Velburg“ gefeiert wurde. Eine völlig neue Aufgabe bahnte sich mit Einführung der Förderlehrgänge für schulentlassene, aber nicht in Berufe vermittelte Mädchen im  Jahr 1968 an. Die Schwesternniederlassung Velburg wurde nun staatlich gefördert Sitz für Förderlehrgänge mit Internatsbetrieb, wo jungen Mädchen ein gutes Rüstzeug für eine erfolgreiche Eingliederung in das Berufsleben und die Haushaltsführung an die 

Hand gegeben wurde. 1973 konnte das neben dem Schwesternhaus neuerbaute, für die 

Unterbringung der Mädchen notwendige Wohnheim bezogen werden. Von den staatlichen Stellen erfuhren die Velburger Schwestern stets hohe Anerkennung, lagen die erzielten Ergebnisse der Velburger Lehrgänge doch weit über den allgemeinen Erwartungen. Dennoch wurden von staatlicher Seite 1984 die Förderlehrgänge wegen Verknappung der Finanzmittel eingestellt. Nun galt es eine neue Aufgabe für die Schwestern zu finden, sollte der Niederlassungsstandort in Velburg gehalten werden. Die Führung und Leitung des katholischen Kindergartens und der Mesnerdienst in der Pfarrgemeinde reichten dazu nicht aus. Auf Initiative der damaligen Schwester Oberin Maria Regis und mit Unterstützung von Stadtpfarrer Josef Albrecht kamen die Idee und der Plan zu Werke, im Schwesternhaus eine Bildungs- und Begegnungsstätte einzurichten. Die Provinzleitung stand den Überlegungen grundsätzlich positiv gegenüber. „Wenn im Schwesternhaus Velburg Jugend-, Erwachsenen- und Familienarbeit geleistet wird, kann einem weiteren Wirken der Schwestern in Velburg zugestimmt werden“, hieß es aus Altötting. Dazu notwendig sei aber die bauliche Erneuerung des  Schwesternhauses. Nach langen und mühevollen Verhandlungen mit dem 

Bischöflichen Ordinariat in Eichstätt konnte dann auch hierüber was die Diözese anbelangte Zustimmung erreicht werden. Entscheidungen, die auch von der Velburger Bevölkerung über die Pfarreigrenzen hinaus mit großer Freude und Erleichterung aufgenommen wurde. Velburg konnte weiterhin Sitz für eine Schwesternniederlassung bleiben. Nach  nur einem Jahr Bauzeit konnte im Mai 1990 der Neubau des Schwesternhauses eingeweiht und seiner Bestimmung als Begegnungsstätte 

übergeben werden. Fortan trafen sich hier bis heute unterschiedlichste Gruppen zu Besinnungs- und Orientierungstagen, zu Fortbildungen, Gruppenleiterschulungen und Exerzitien. 1992 erhielt das Haus, bisher einfach als Schwesternhaus bezeichnet, einen neuen Namen: „Haus Betanien“. Dieser Name soll Aussage für die Aufgabe des Hauses sein: „Hinhören auf Jesus, Gewährung von Gastfreundschaft, frohe Begegnung von Menschen“.

 

Im Dezember 2008 überbrachte die damalige Provinzoberin die Mitteilung der Provinzleitung nach Velburg, das der Orden mangels weiterer fehlender Schwestern die Niederlassung in Velburg nicht aufrechterhalten könne. Die Ablösung der seit 1921 äußerst segensreich in Velburg wirkenden Heilig-Kreuz-Schwestern war damit eingeläutet. Im Jahr 2014 sollte es dann soweit sein. Mit Schwester Maria Regis, Schwester Annette und Schwester Karmelita wurden die letzten drei  verblieben Heilig-Kreuz-Schwestern von den offiziellen Stellen und der Bevölkerung unter vielen Tränen und großer Bestürzung verabschiedet. Nahezu fast 100 Heilig-Kreuz-Schwestern hatten in diesen mehr als 90 

Jahren an der Niederlassung in Velburg im Dienste der Menschen und zur Ehre Gottes gewirkt. Längst waren die Heilig-Kreuz-Schwestern ein Teil von Velburg geworden.

 

Doch Velburg konnte weiterhin Standort für eine Schwesternniederlassung bleiben. Die 

Gemeinschaft der Apostolischen Schwestern vom Heiligen Johannes hat zum 1. September 2014 das „Haus Betanien“ in Velburg übernommen und führt es in der vorgenannten Ausrichtung weiter. Mit Schwester Isaak, Schwester Veronika, Schwester Clarissa und Schwester Verena sind vier Johannesschwestern  in das Haus eingezogen und Velburg hat weiterhin sein „Schwesternhaus“.

 

© Die Apostolischen Schwestern vom heiligen Johannes. Haus Betanien. Burgstraße, 18. 92355 Velburg. 09182/1684. hljvelburg@gmail.com